„ To suffer one´s death and to be reborn is not easy“ – Fritz Perls

 

Fritz Perls

Das Wort Gestalttherapie leitet sich ursprünglich von der Gestaltpsychologie ab. Eine der zentralen Aussagen der Gestalttherapie ist folgender Satz: Das ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Der Mensch soll so sich so gut wie möglich in seiner Ganzheit zeitlich (von der Geburt bis heute) als auch in seiner aktuellen Erscheinung (Eigenschaften, Aussehen, Verhalten, Fähigkeiten ...) begreifen. Das Ziel der Gestalttherapie kann die Integration, das Zusammenführen vieler unzusammenhängender Anteile der eigenen Person sein.

Laura Perls

 

Die Gestalttherapie wurde zunächst von Fritz und Lore Perls entwickelt. Beide waren zunächst klassische Psychoanalytiker, bis sie Anfang der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts ihr Gegenprogramm zur Analyse schrieben. Fritz war Psychiater und erlernte bei Max Reinhardt Schauspiel, Lore war Psychologin und dissertierte in Gestaltpsychologie. In dieser Zeit lernte sie auch Martin Buber kennen. Wie viele Juden mußten die beiden aus Deutschland fliehen und kamen über Umwege nach Südafrika, wo sie zunächst noch als Psychoanalytiker arbeiteten, in der Folge änderten sie ihren Stil und publizierten ihr erstes Buch: Ego, Hunger and Aggression. Dieses enthielt viele Neudefinitionen von später für die Gestalttherapie klassisch gewordenen Begriffen wie Organismus, Widerstand, Assimilation ... Besonders durch dieses Werk kam es zum endgültigen Zerwürfnis mit der Psychoanalyse.

Perls integrierte in seine Arbeit auch Anteile aus dem Zen Buddhismus, im besonderen das weitläufige Konzept der Awareness (Achtsamkeit)

Meine momentane Definition der Gestalttherapie: Gestalttherapie ist eine existentielle, humanistische Therapierichtung, die sich ihrer psychonalytischen Wurzeln bewußt ist. Sie fördert Dynamik und kreative Anpassung, stellt die Verantwortung in den Vordergrund und differenziert die Dinge so, daß eine freiwillige Entscheidung für oder gegen etwas möglich ist. Durch ihre besondere Form der Achtsamkeit schafft sie auch den Dialog zu Religion und Spiritualität und stellt dadurch für beide Dimensionen keinen Widerspruch dar. Im Zentrum steht die Ich/Du Begegnung, die neben allen technischen Aspekten den höchsten Grad an "Heil" Sein erbringt.